Steinboden mit Herz

Hinterm Tellerrand – Blog

Mit mittlerweile mehr als 8.500 monatlichen Besuchern hat sich meine Homepage im Laufe der Jahre zu einer Adresse entwickelt, die nicht nur vom Fachpublikum, sondern auch von Laien gern aufgesucht wird. Damit es zwischen den Fachpublikationen auch etwas zu lesen gibt, veröffentliche ich hier kleinere Texte nicht nur zur Homöopathie. Viel Spaß beim Lesen!

Liebeskummer-Bewältigung

Was ist Liebeskummer? - Etwas, das nicht existiert! Liebe verursacht keinen Kummer. Liebe ist ein warmes, weites, fließendes Gefühl, das dich mit allem verbindet. Wenn du also glaubst, dass du Liebeskummer hast, dann suche nach der echten Ursache für deinen Kummer. Oft hat er damit zu tun, dass du dich von deinen Träumen, Hoffnungen und Erwartungen verabschiedest, die du mit dem Menschen hattest, der nun nicht mehr dein Partner ist. Aber auch das ist eine Illusion, denn die Welt hält für dich nicht nur den Einen oder die Eine parat. Nach wie vor kannst du eine glückliche Partnerschaft führen! Daran wird sich nie etwas verändern. 

Du willst nicht, dass sich dein Ex-Partner neu verliebt? Dass er ausgeht, Spaß hat, Pläne macht, reist, dem Leben ohne dich viel Gutes abgewinnt? Im Gegenteil: Du möchtest, dass er dich vermisst, traurig ist, sich Vorwürfe macht, dich zurück will? - Wo ist in diesen Gedanken die Liebe? Wünschst du ihm Schlechtes, dann spricht nicht die Liebe aus dir, sondern eine Verletzung, die gerächt werden will. Tut es dir gut, an Rache zu denken? Macht es dir Freude? (Ja, denkst du vielleicht, denn das Gefühl von Genugtuung kann durchaus befriedigend sein.) - Stell dir vor, dass du die Energie, die du darauf verwendest, deinem Ex-Partner eine schlechte Zeit zu wünschen, für dich verwendest. Dafür, Pläne zu machen. Dein Leben neu zu ordnen. Dich um deine Gesundheit zu kümmern. Alte Freunde neu zu entdecken. Neue Freunde zu gewinnen. Auszugehen. Spaß zu haben. Die Natur zu erkunden. Was auch immer du brauchst, um wieder glücklich zu sein! 

Und stell dir vor, dass dein Ex-Partner vor dir steht, frisch verliebt und glücklich ist, und du dich mit ihm freuen kannst, weil du ihn liebst. Das hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun, sondern damit, dass du dich nicht gegen das wehrst, was Realität ist. Es regnet, ob du das nun gutheißt oder nicht. Du kannst dich ärgern, du kannst mit den Zähnen knirschen, und du kannst dich über die frische, saubere Luft freuen und das Grün bewundern. Und du weißt, dass es nicht bis an das Ende deiner Tage regnen wird. Wenn immer du versuchst, dich gegen das zu stemmen, was gerade passiert, wirst du verlieren.

Versuche also, den Liebeskummer in Liebe zu wandeln und dich um den Kummer zu kümmern. Du bist einsam? Geh aus! Du brauchst Nähe? Spür deine eigene Nähe zu dir! Nimm dir Zeit für dich! Er fehlt dir? Suche dir neue Menschen, mit denen du neue Erfahrungen machen kannst!

Liebeskummer ist eine großartige Chance, deinem Leben eine spannende und erfüllende Wendung zu geben. 

Das gilt übrigens für jede Erkrankung - psychische und physische. 


Still war's hier!

Und neue Patienten habe ich auch nicht angenommen. Warum? Weil ich mir eine Veränderung wünschte.

Einerseits war ich als Homöopathin recht erfolgreich, doch ein Erfolg als Homöopathin bedeutet immer auch viel Arbeit. Um diese Arbeit bewältigen zu können, ist Routine erforderlich, aber Routine ist genau das, was das Herz verstummen lässt. Die Kreativität, die ich in meiner Arbeit mit meinen Patienten so sehr schätzte, wich zunehmend dem Uhrzeiger.

Es wurde also Zeit für einen Wechsel.

Ich begann, mich mit Byron Katie auseinanderzusetzen, einer Frau, die eine sehr simple Methodik entwickelt hat, Stress und Leiden zu hinterfragen. Da in der Homöopathie die Anamnese unser wichtigstes Werkzeug ist, um zu erspüren und zu erfahren, warum unsere Patienten chronisch krank sind, hat mich Byron Katies Methode sehr fasziniert. Über wenige einfache Fragen gelangt sie zum Kern des Leidens. "Einfach" bedeutet allerdings nicht "einfach für den Klienten". Der wird durch die Fragen in sein Innerstes geleitet, und dieser Weg ist wirklich Arbeit. Deswegen hat Byron Katie ihre Methode auch "The Work" genannt.

Also habe ich viel gelernt und habe mich in die Hände eines "The Work"-Coaches begeben, um zu schauen, was mit mir passiert. Viel, kann ich als Ergebnis sagen! Ich habe meine wunderschönen Praxisräume gekündigt, bin in meinen alten Beruf zurückgegangen und habe in meiner freien Zeit einige wenige Patienten - lieber: Klienten - in meinem Wohnzimmer empfangen. Und hier habe ich so gearbeitet, wie ich es mir vorstelle: mit viel Zeit. Und ich hatte den Luxus, mir aussuchen zu können, mit wem ich arbeite. Dabei geriet die Homöopathie mehr und mehr in den Hintergrund, und es kristallisierte sich heraus, dass ich die Lösung von Partnerschaftskonflikten als sehr erfüllend empfinde. Dabei beziehe ich "Partnerschaft" nicht nur auf die Liebesbeziehung, sondern auch auf die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Als leidenschaftliche Mutter ist mir auch diese Beziehung ein großes Anliegen!

Begleitet haben mich in dieser Zeit der Suche nicht nur meine Kinder, die selbst große Veränderungen durchleben, sondern auch mein wundervoller Partner Kai - wundervoll auch in dem Sinne, dass wir eine lebendige Streitkultur haben und Hand in Hand die Konflkte lösen, die sich in Partnerschaften zeigen.

Was habe ich noch getan? Ein Buch geschrieben! Als ich 21 Jahre alt gewesen bin, hatte ich meinen ersten Versuch als Autorin. Damals war es ein Kurzkrimi, der im Heyne-Verlag veröffentlicht worden ist. Dem Genre bin ich treu geblieben. Als begeisterte Krimi-Leserin habe ich mich nun auch als Autorin ausprobiert. Und festgestellt, dass mir der schwarzhumorige Krimi liegt. Das Schreiben macht viel Freude!

Wer Lust hat, diese Seite von mir zu betrachten, hier ist der Link zu meiner Autorinnen-Homepage:

www.zarahphilips-autorin.com

Und natürlich verlinke ich mich auch gern via Facebook-Autorenseite mit euch!

https://www.facebook.com/profile.php?id=100013541026176

Ich wünsche euch einen wunderbaren, warmen, friedlichen vierten Advent. Genießt die Zeit! Die Percht geht um!


Zuhören

Michael Ende erzählt in "Momo", was es bedeutet, mit einem Menschen zu sprechen, der zuhören kann:

„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. (...) Und so wie Momo sich auf's Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.
Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen tief mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, daß sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, daß ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wußten, was sie wollten. Oder daß Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder daß Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, daß er sich gründlich irrte, daß es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und daß er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!“


Streptokokken

Die Erstsemester-Medizin-Studenten an der Berliner Charité lernen den Umgang mit Patienten auf ganz besondere Art und Weise: Sie sind als Teddybären-Ärzte für eine Teddybären-Klinik tätig.

Die haarigen und zumeist stummen Patienten kommen mit ernsten Blessuren: Auge ab, Naht geplatzt, Nase gerissen. Aber auch nicht näher erklärbare Bauchschmerzen oder Schlafstörungen quälen die kleinen Patienten.

Neulich gab es allerdings einen ganz besonderen Fall: Ein Mädchen antwortete auf die Frage, was ihr Bär denn hätte: "Er hat Streptokokken."

Der Erstsemester-Student musste erst einmal nachlesen, woran der Teddy erkrankt ist, um den Schützling der gut informierten Teddy-Mama heilen zu können.


Die 5 Sprachen der Liebe

Partnerschaft, Liebe und Trennung zählen zu den häufigsten Leidensthemen in meiner Praxis. Meist geht es nicht um Differenzen im Alltag, sondern um das Gefühl, nicht genug geliebt zu werden. Oft haben beide Partner ein ähnliches Gefühl – beide glauben, dem Anderen mangele es an Liebe.

 

Der amerikanische Psychologe Gary Chapman hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, in dem er sich mit den „5 Sprachen der Liebe“ beschäftigt. Er glaubt, dass der Sinn von Partnerschaft im Wesentlichen im gegenseitigen Schenken von Liebe besteht, weil das Empfangen von Liebe ein Urbedürfnis eines jeden Menschen sei.

 

Jeder Mensch fühlt sich anders geliebt; jeder Mensch braucht eine besondere Art der Liebesbekundung. Dass zwei Menschen die gleiche Liebessprache sprechen, kommt nicht so häufig vor; nur am Anfang einer jeden Liebe sprechen beide Partner alle fünf Sprachen, weswegen die Phase der Verliebtheit auch so wunderbar ist. Da jedoch der Alltag in jede Liebe irgendwann Einzug hält und die Familie, die Freunde, die Arbeit, das Hobby nach Zeit und Aufmerksamkeit verlangen, reduziert sich die Kommunikation auf die „Muttersprache“ der Liebe. Jeder Mensch spricht von Haus aus seine eigene bevorzugte Sprache.

 

Gary Chapman hat fünf verschiedene „Sprachen“ beschrieben:

 

- Lob und Anerkennung. Wem Lob und Anerkennung wichtig ist, bedient sich dieser Sprache und drückt seine Liebe entsprechend aus.

- Zweisamkeit: Die gemeinsame Zeit allein mit dem Partner hat einen besonderen Stellenwert.

- Geschenke: Kleinere und größere Aufmerksamkeiten sollen dem Partner zeigen, dass er geliebt wird: „Ich denke immer an dich, du bist mir wichtig, und deswegen habe ich dir diesen kleinen Schokoladenhasen mitgebracht.“

- Unterstützung: Menschen, die Unterstützung wünschen, sind oft selbst besonders hilfsbereit. Sie kümmern sich liebevoll um ihren Partner, sei es nun die vom Partner verhasste wöchentliche Autowäsche oder die Unterstützung beim Formulieren eines Briefes an den Chef.

- Zärtlichkeit: Häufige Berührungen und Küsse drücken die tiefe Zuneigung aus.

 

Wer sich also nicht genug geliebt fühlt, wird eingeladen, in sich nach der eigenen Liebessprache zu suchen. Wann fühlt man selbst sich besonders geliebt? Anerkennung bekommen die meisten Menschen gern, und kleine Geschenke ebenfalls. Aber lösen Anerkennung und kleine Geschenke tatsächlich das Gefühl aus, geliebt zu sein, oder sind sie nur das Sahnehäubchen auf der Liebestorte?

 

Wenn beide Partner den Anderen wirklich lieben, aber oft das Gefühl haben, die Liebe käme nicht an, liegt das vermutlich auch daran, dass unterschiedliche Arten der Liebesbekundung gebraucht werden. So drücken viele Männer ihre Liebe in tatkräftiger Unterstützung aus, aber die Frauen erkennen die Fahrt zur Autowaschanlage oder den Reparaturdienst nicht als Liebesbeweis. Er sagt dann, er tue alles für sie, und sie sagt, er würde ihr nicht einmal zum Geburtstag etwas für das Herz schenken.

 

Dabei ist die Liebe die einzige Kraft der Welt, die auch die schwersten Wunden heilen kann. Es lohnt sich also, die Liebessprache des Partners zu erforschen und sie täglich mit ganzem Herzen zu sprechen!

 

 


Konditionierung

In der letzten Woche besuchte mich ein 4jähriges Mädchen, das kaum spricht, in der Praxis. Still setzte sie sich an den Kindertisch, still malte sie, still stand sie schließlich auf und still ordnete sie das Spielzeugregal, das ein anderes Kind im relativen Chaos hinterlassen hatte.

 

Dabei entdeckte sie eine Babypuppe, die im Regal in einer Ecke lag. Der rosa Body war halb ausgezogen, auf der Wange waren Kreidespuren.

 

„Oohhh!“ rief meine kleine Patientin mitfühlend.

 

Sie zog die Puppe aus dem Regal und kleidete sie ordentlich an. Dann wischte sie mit ihrem Ärmel die Kreide aus dem Gesicht, presste die Puppe an ihre Brust und begann, ein Lied zu singen. Schließlich bettete sie die Puppe in einen Sessel, deckte sie mit ihrer eigenen Jacke zu und sagte laut und deutlich: „Gute Nacht, mein kleiner Spatz. Träum was Schönes.“

 

Ich stand auf und holte eine Wolldecke für die Puppe, faltete sie klein und bat meine Patientin, das Baby doch hochzunehmen, damit wir es in die Decke kuscheln können. Verständig nickte die Kleine, legte einen Zeigefinger über ihre Lippen und sagte leise und verschwörerisch: „Psst! Sie schläft!“ Dann hob sie Puppe auf und half mir, ein Deckennest zu bauen.

 

Als ihre Mutter begann, in normaler Lautstärke zu sprechen, erhielt sie von ihrer Tochter einen scharfen Verweis: „Das Baby schläft! Du musst leise sein!“

 

Testweise begann nun auch ich, etwas zu erzählen, und holte mir eine Drohung ab: „Wenn du nicht sofort still bist, wacht das Baby auf, und dann schreit es den ganzen Tag und Mama muss ins Krankenhaus!“

 

Ich trug den Sessel mit der Puppe in das Wartezimmer und sagte leise: „Da hört uns das Baby nicht“, und ich bat sie, doch noch ein oder zwei Lieder zu singen, damit das Baby auch wirklich gut schlafen könne.

 

Die Mutter meiner kleinen Patientin klärte mich schließlich einigermaßen erschüttert auf. Sie erzählte von der schwierigen Geburt ihrer zweiten Tochter vor zweieinhalb Jahren und von ihrer anschließenden Wochenbettdepression, die mehr als ein halbes Jahr angedauert hatte. Ihr sei alles zuviel gewesen, und sie habe nur noch geweint und ihrer Erstgeborenen immer wieder gesagt, dass sie doch endlich ruhig und still sein solle, weil sonst das Baby aufwacht. Und weil ihre zweite Tochter ein Schreikind gewesen sei, sei die Familie bald nur noch auf Zehenspitzen durch das Haus geschlichen. Und tatsächlich habe sie öfter gesagt, dass sie ins Krankenhaus müsse, wenn es nicht still sei – sie habe laute Geräusche nicht ertragen können.

 

Seither liegt im Wohnzimmer der Familie eine Babypuppe in der alten Kinderwiege, und die Mutter meiner Patientin animiert ihre große Tochter immer wieder, doch etwas zu erzählen, und bitte laut genug, damit sie es auch verstehen könne – das Baby würde wohl nicht aufwachen, und wenn doch, sei das gar nicht schlimm, denn es würde schon bald wieder einschlafen.

 

„Und wenn nicht?“ fragte meine Patientin ihre Mutter.

 

„Dann singen wir zusammen ein Lied.“


Mutig sein

Die Umkleidekabine des Schwimmbades teilte ich mir mit den Mädchen einer Grundschulklasse. Ein Mädchen teilte einem anderen Mädchen mit, dass ihre Frisur eine Oma-Frisur sei, und ein Mädchen schrie: Stimmt! Meine Oma sieht auch so aus! Das Mädchen mit der Oma-Frisur blickte einmal kurz in den Spiegel, fand aber wohl, dass ihre eigene Oma definitv eine andere Frisur hätte, weswegen sie sich kommentarlos und seelenruhig weiter anzog.

Ein anderes Mädchen schlüpfte versehentlich in die Socken ihrer Freundin, was in einen regen Sockentausch mündete, bis Eine rief: Ih! Du hast Stinkesocken! Und dann kreischten alle los, und das Mädchen mit den Stinkesocken schnupperte kurz an den braun verfärbten Sohlen, zuckte mit den Schultern und meinte, hmm, jaaa, wohl ein bisschen! Dann zog sie die Stinkesocken an, lachend, und zog einen Fuß vor die Nase und rief: Lecker Käse! Alle kicherten.

Die Lehrerin enterte den Raum und stellte fest, dass zwei Mädchen nicht weiter als bis zur Unterhose gekommen waren. Sie klatschte in die Hände, gab ein paar Kommandos ab, was eines der beiden Mädchen auch motivierte, sich ein wenig schneller anzuziehen. Das andere Mädchen jedoch setzte sich gemächlich hin, träumte, öffnete ihren Schrank, zog ein Unterhemd heraus, und das war es dann auch schon, mehr passierte nicht – mit dem Unterhemd zwischen den Händen träumte sie weiter.

Die Umkleidekabine lichtete sich, die Lehrerin stürmte wieder herein und stellte fest, dass das verträumte Mädchen im Nimmerland verschwunden war – mit großen Kulleraugen betrachtete sie regungslos die Schließfächer. Wieder folgten ein paar Kommandos, diesmal mit der Drohung, dass sie die Letzte sei und der Bus bald ohne sie fahren würde. Das Mädchen wachte auf, zog sich das Unterhemd an, allerdings ohne große Eile, und schaffte es schließlich, vollständig angekleidet zu sein. Vor sich hin summend verließ sie den Raum.

Als alle weg waren, lag ein Paar weißer Söckchen in einer Pfütze auf dem Boden. Die Lehrerin, die noch einmal in die Umkleidekabine schaute, schrie ihren Schützlingen hinterher, ob auch jede ihre Socken anhätte, was wohl alle bejahten – die Socken blieben, wo sie waren, und dann war es still.

Um zu verstehen, was in Kinderköpfen und Kinderherzen vor sich geht, braucht man nur beobachten und hinhören. Kinder sind, anders als Erwachsene, in ihrem Verhalten noch wenig maskiert und kontrolliert. Wenn sie traurig sind, lächeln sie nicht, wenn sie den Schalk im Nacken sitzen haben, spielen sie mit ihm, wenn sie wütend sind, schreien sie oder stampfen mit den Füßen auf. Wir Erwachsenen haben verlernt, uns so zu zeigen, wie wir sind – niemals würden wir an Stinkesocken riechen und lauthals verkünden, dass sie nach Käse duften, niemals würden wir uns über die Frisur einer anderen Frau öffentlich lustig machen, und wenn wir selbst einmal das Pech hätten, dass Eine zu uns sagt: Du hast eine Oma-Frisur, dann würden wir die Beleidigung sachlich abschwächen wollen: Das ist eine praktische Frisur. Ich habe nicht so viel Zeit für Pflegerituale. Wir sitzen auch nicht verträumt in der Unterhose herum, und wir probieren nicht die Socken einer Anderen an.

Sind nur Frauen in der Umkleidekabine, ist es ruhig. Nasse Sachen aus, abtrocknen, trockene Sachen anziehen, Haare bürsten, Creme ins Gesicht, Sachen packen, raus. Kennen sich zwei Frauen, ist das Gespräch gesittet. Wir haben Zeitvorgaben und Ziele, und wir wissen, wie wir uns zu benehmen haben, um möglichst unauffällig zu sein und damit in der Gruppe akzeptiert zu sein.

Karl Lagerfeld antwortete auf die Frage, was für ihn denn eine Modesünde sei: Modesünden tragen die Menschen, die mutig sind, die sich erlauben, genau das anzuziehen, was ihnen gefällt, die sich eben nicht nach fremden Geschmäckern und Normen richten, sondern umgehemmt sich selbst leben.

Demnach sind viele Kinder noch mutig: Sie zeigen, wer sie sind, ohne sich permanent zu fragen, wie sie wohl auf Andere wirken. Und wir Erwachsenen erfreuen uns an dem Lachen und der Unbekümmertheit und der Leichtigkeit der Kinder, die nichts anderes tun, als einfach der Mensch zu sein, der sie sind, und sich immer wieder erlauben, ihren Impulsen zu folgen.

 


Der Liebes-Algorithmus

Zwei Wissenschaftler – der Mathematik-Professor James Murray von der Oxford-Universität sowie der Psychologie-Professor John Gottman von der Washington-Universität in Seattle – entwickelten gemeinsam eine Formel, anhand der sich die Länge einer Ehe berechnen lässt. Das Ergebnis ist beeindruckend: 94 % ihrer Voraussagen zur Scheidungswahrscheinlichkeit trafen zu.

 

700 junge Ehepaare nahmen an der 10 Jahre dauernden Studie teil. Der Test, den sie absolvierten, war denkbar einfach: 15 Minuten lang mussten die Paare miteinander über vorgegebene potenzielle Konfliktthemen diskutieren. Dabei wurden ihre Körperfunktionen aufgezeichnet – u.a. Herz- und Atemfrequenz, Schweißbildung -, und zwei Kameras hielten Mimik und Gestik sowie das Gesagte fest. Sechs Psychologen beurteilten im Anschluss jeden Satz und jede Emotion über ein Punkteschema.

 

Die Theorie: Nicht die Liebe an sich entscheidet über den Erfolg einer Partnerschaft, sondern die Art des Umgangs miteinander, wobei die Liebe als Gefühl von starker gegenseitiger Anziehung als Grundvoraussetzung vorhanden sein muss, denn die Anziehung aktiviert unser „Bindungssystem“: Wir versuchen, möglichst viel Nähe und Geborgenheit herzustellen und zu erhalten.

 

Als besonders negative Verhaltensweisen, die eine Partnerschaft schnell beenden werden, definierten die Forscher:

 

- offen gezeigte Gleichgültigkeit gegenüber dem Partner;

- Jammern und Klagen als Ausdruck einer Opferhaltung;

- Zorn und Wut;

- Dominanzgebahren;

- Schuldzuweisungen mit der Absicht, das eigene Handeln in ein besseres Licht zu rücken;

- Verachtung gegenüber dem Partner;

- innerer Rückzug: Verweigerung von Gesprächen, Distanzierung, Errichtung einer „Mauer“ um sich.

 

Als besonders positiv wirkte sich hingegen Humor aus; Humor, so scheint es, ist in langfristig stabilen Beziehungen einer der wichtigsten Faktoren zum Erhalt der Liebe. Aber auch das Zeigen von Interesse an den Ansichten und Gefühlen des Partners durch Zuhören und aktives Nachfragen erhöht die Chancen auf eine lange und glückliche Partnerschaft erheblich. Und: Respekt ist unabdingbar.

 

Dabei ist Streiten durchaus erlaubt; entscheidend ist jedoch das Verhältnis zwischen Streit und humorvoller Gelassenheit und Interesse. Die Forscher definierten die ideale Korrelation zwischen den negativen und den positiven Verhaltensweisen mit 1:5.

 

Leichtere Abweichungen führen dabei nicht automatisch in das Partnerschafts-Aus: Wer seine eigenen negativen Verhaltensweisen erstens erkennt und zweitens bereit ist, daran zu arbeiten, tut sehr viel für den Erhalt der Liebe. Wer hingegen glaubt, dass nur der Partner sich ändern müsse, damit "die Liebe funktioniert", beschleunigt das Aus, es sei denn, der Partner verfügt über besondere Leidensfähigkeit.

 

Der Rat der Forscher: Öfter mal gemeinsam herzhaft lachen!

 


Verlorene Socken und verlorenes Lachen

Gestern im Freibad schwomm ich meine Runden und stieß dabei unvermittelt auf eine Freundin meiner Tochter, die sich wie ein Kreisel bewegte und dabei auf den Boden des Schwimmbeckens blickte.

„Hey, Nele!“ rief ich.

Nele lächelte und sagte: „Ich suche eine Socke.“

„Das wird hier schwierig sein“, entgegnete ich.

Ihre Antwort lautete: „Sie ist schwarz.“

Dann suchte sie weiter.

 

Während ich meine Runde schwomm, dachte ich über Neles Socke nach. Nele sucht eine einzelne schwarze Socke auf dem Boden des Schwimmerbeckens im Freibad. So merkwürdig und wenig erfolgversprechend dieses Ansinnen auch sein mag – wir Menschen suchen immer wieder an den merkwürdigsten Orten nach etwas, das wir glauben, verloren zu haben und gern zurück hätten. Eine meiner Patientinnen suchte ihr Lachen. Ihre Suche führte sie weit von sich selbst weg. Sie fragte sich, was sie amüsieren könnte, und begab sich in den Dating-Dschungel, tanzte sich jedes Wochenende in Clubs die Füße wund, sprang mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug und ver-suchte sich an diversen Sportarten.

 

„Geh’ in den Wald“, riet ich ihr.

„Ich allein?!“

„Ja.“

„Das kann ich nicht!“

Also ging ich mit ihr in den Wald, in die Schwarzen Berge, und wir verließen gemeinsam die Waldpfade und schlugen uns ins Unterholz. Einzelne goldene Sonnenstrahlen berührten den Boden und malten dort ein abstraktes Muster aus Licht und Moos. Ein Zitronenfalter begleitete uns eine kurze Weile, und dann sahen wir eine Blindschleiche, die gemächlich in einem Sonnenfleck neben Heidelbeerbüschen lag und es sich gut gehen ließ. Einige Rehe grasten auf einer Lichtung. Ein Hase beäugte uns kritisch, bevor er den Hügel hinabsprang. Wir setzten uns auf Steine und Baumstämme und staunten über die friedliche Stille.

 

Als wir wieder im Auto saßen, stellte meine Patientin überrascht fest, dass sie fast drei Stunden lang ruhig gewesen war: kein inneres Zittern, kein Gedankenkreisen, kein Suchen. Und damit auch kein ver-suchen.

 

Sie begann, allein in den Wald zu gehen. Sie lernte, dass ein Wochenende ohne laute Aktivitäten nicht zwangsläufig ein einsames Wochenende sein müsste. Nach einigen Wochen sah ich sie wieder. Sie sah verändert aus mit ihrer Jeans und der schlichten Bluse und dem Pferdeschwanz und den ruhigen Augen und dem Lächeln im wachen Gesicht.

 

„Ich habe mich wiedergefunden“, sagte sie.

 

 


Lebensmuster

Am Anfang steht die Zeugung, und mit der Zeugung erhalten wir das Wollknäuel unseres Lebens, unseren „roten Faden“. Noch ist nichts gesponnen. Die Webfehler sind verborgen. Vieles ist möglich, doch einiges ist bereits vorgegeben.

 

Im Mutterleib beginnt unsere Mutter, das Wollknäuel zu verarbeiten. Geht es ihr gut - fühlt sie sich also geborgen in ihrer Partnerschaft, ist gesund und finanziell gesichert, freut sie sich auf uns - ist das Muster, das sie für uns strickt, fein und fest. Geht es ihr nicht gut, strickt sie Löcher in das Muster, eine Masche strickt sie locker, die andere zu fest.

 

Auch die Geburt nimmt Einfluss auf unser Knäuel und das Muster unseres Lebens. Ein ungewollter Notkaiserschnitt, der unsere Mutter mit viel Stress und Angst belastet, hinterlässt lauter gefallene Maschen, die wir später vielleicht mühsam wiederaufnehmen und festnähen müssen. Eine sanfte und sichere Geburt strickt hingegen ein wunderschönes Rautenmuster: eine Erinnerung, die trägt.

 

Nun teilen wir uns das Knäuel mit unserer Mutter, mit unserem Vater, unseren Geschwistern und den anderen Menschen, die uns umgeben. Alle stricken fleißig weiter. Ist unsere Kindheit von Verzicht und Armut und Ungewissheit geprägt, können wir uns auf das Muster nicht konzentrieren. Fahrig verhaspeln wir uns immer wieder. Tiefe Löcher zerren an der Wolle. Ist unsere Kindheit heiter und liebevoll, entstehen die schönsten Muster, die uns unser Leben lang verzaubern: große und kleine Knubbel, Sterne und Monde, Wellen und Herzen.

 

Je älter wir werden, desto öfter halten wir das Knäuel in unseren Händen. Wir probieren aus, was passiert, wenn wir zwei oder drei oder fünf Muster gleichzeitig stricken wollen: Am Ende haben wir ein chaotisches Nichts geschaffen. Bestenfalls lernen wir daraus und konzentrieren uns darauf, nur ein Muster zur Zeit zu stricken. Für manche Muster benötigen wir Hilfe, für andere nicht, und mal bitten wir zu wenig, mal zu oft, und manchmal geben wir die Stricknadeln auch ganz aus der Hand. Haben wir keine Idee, wie unser Muster aussehen soll, stricken wir einfach irgendetwas, vielleicht sogar unaufmerksam und lustlos. Das Ergebnis ist weich und formlos, es hält wenig und hinterlässt keine Erinnerung.

 

Und dann, mit fünfzig Jahren, stellen wir plötzlich fest, dass sich ein bestimmtes Muster immer wiederholt: Es hat sich klammheimlich eingeschlichen. Es zerrt an den anderen Mustern, droht vielleicht sogar, alles aufzulösen. Die Löcher sind riesig. Und wir stellen fest, dass es sich um unser Beziehungsmuster handelt: verliebt, verlobt und weggeschlichen. Oder verliebt, gekämpft und verloren. Oder verliebt, geliebt und festgeknotet. Oder auch verliebt, geliebt geworden, selbst geliebt – und weggerannt. Zu eng schienen die Maschen, vielleicht auch zu weit, das Muster zu bunt oder zu eintönig.

 

Dann stellen wir erstaunt fest, dass sich das Beziehungsmuster auch im Arbeitsleben zeigt: Vertrag unterschrieben, alles gut gemacht, den Karriereschritt angeboten bekommen, abgesagt und darüber geklagt. Drei Jahre später ein neues Angebot, darüber nachgedacht, nicht entschieden, und das Angebot war weg. Gleichzeitig wollte unser Partner ein Haus kaufen. Darüber nachgedacht, nicht entschieden, das Haus war weg, und irgendwann auch der Partner.

 

Wir betrachten die ganzen Muster und stellen fest, dass das Wollknäuel dünner wird, und wir werden nachdenklich und bekommen Angst und sehen die ganzen Löcher und unschlüssigen Anfänge und halb fertigen Versuche und die zu engen und die zu weiten Maschen. Und plötzlich scheint sich vor unserem Auge alles aufzulösen … nichts, das mehr trägt und hält. Das Muster unseres Lebens scheint nicht stark genug gewesen zu sein.

 

Die Krise ist da. Alles wird in Frage gestellt. Die Stricknadeln werden zur Seite gelegt, dann wieder aufgenommen, und wieder weggelegt, und wir zögern und zweifeln und verzweifeln. Lohnt es sich überhaupt noch, weiterzustricken? Offensichtlich sind wir ja nicht in der Lage, ein festes und schönes Muster zu stricken. Warum mit dem weiter machen, das fünfzig Jahre lang nicht geklappt hat?

 

Auflösen und neu anfangen: das funktioniert nicht. Die alten Muster sind gestrickt.

 

Aber dann sehen wir den Rest des Knäuels. Und wir betrachten die alten Muster, die so zögerlich und mutlos und wütend und traurig gestrickt worden sind. Und wir lernen aus den Mustern. Und wir verstehen, dass uns niemand zwingt, so weiterzustricken wie bisher, und plötzlich sehen wir all die helfenden Hände anderer strickender Menschen, die uns gern zeigen wollen, wie man hübsche und aufregende und inspirierende und friedliche und starke Muster strickt. Da ist der Freund, dessen Muster so regelmäßig und schlicht und schön sind. Der Bruder, der so feste Maschen stricken kann, dass sie alles tragen können. Die Partnerin, deren Muster fröhlich und lebensbejahend sind. Die Kollegin, deren Muster voller Phantasie sind.

 

Es ist immer alles da, was wir suchen. Wir brauchen nur unsere Herzen öffnen und "ja" sagen.


Ursprung und Anwendung der Wahnideen

In der psychologischen Homöopathie genießen die Träume, Ängste und die Wahnideen besondere Aufmerksamkeit.

 

Insbesondere die Wahnideen zeigen sehr oft den Weg zum Similimum, also zum passenden homöopathischen Mittel.

 

Jeder Mensch hat Wahnideen. Eine Wahnidee ist wie ein Riss im Glas der Brille, durch die man in die Welt blickt. Die Wahrnehmung ist verzerrt; man sieht etwas, das nicht da ist. Die Ursache für jede Wahnidee liegt in der psychischen Wunde, die wir zu kompensieren versuchen. So kann eine Erziehung durch Liebesentzug zu der Wahnidee führen, immer alles falsch zu machen („immer“ und „alles“ sind absolute Begriffe, die nicht zustimmen können, aber der Fokus der Brille liegt auf eigenen, zumeist eingebildeten Fehlern, die häufig ein tief liegendes, immerwährendes Schuldgefühl verursachen).

 

Thuja hat die „Wahnidee, ist aus Glas“. Nun habe ich noch keinen Thuja-Patienten in meiner Praxis gehabt, der behauptet hätte, er sei aus Glas – aber alle Thuja-Patienten haben ein Gefühl von innerer Zerbrechlichkeit, und zwar dann, wenn sie nach ihrem Empfinden zu hart angefasst oder fallengelassen werden. Thuja hat Angst, nicht so geliebt zu werden, wie sie wirklich ist, und versucht daher, durch Verstecken und Verheimlichen der (vermeintlichen) Fehler sowie durch besondere Liebenswürdigkeit das Herz ihrer Mitmenschen doch zu erobern. Die ordentlich gestutzte Thuja-Hecke (Thuja ist der Lebensbaum) mag ein Sinnbild der Thuja-Menschen sein: Nach außen wird ein undurchdringliches, sorgsam gepflegtes Bild gezeigt, doch hinter der Hecke sind all die Schwächen und Fehler verborgen, die zur Ablehnung führen könnten. – „Wahnidee, hat keine Freunde“.  

 

Letztendlich wird die nach außen präsentierte heile Maske zum Teil des Selbst, und das Selbst löst sich zunehmend auf; Thuja erfährt einen Identitätsverlust. Wir finden diesen Verlust des Ichs u.a. in den Rubriken:

 

-         Wahnidee, sie könne nicht länger existieren

-         Wahnidee, sie würde aus ihrer Haut herausfliegen

-         Wahnidee, der Körper sei immateriell

-         Wahnidee, der Fortbestand des Körpers würde sich auflösen

 

In der Praxis äußert sich natürlich kein Patient mit exakt diesen Worten. Wir hören anstatt dessen: „Niemand nimmt mich wahr. Ich fühle mich wie Luft.“ – „Alle reden miteinander und haben Spaß, mich ignorieren sie, obwohl ich mich bemühe, immer freundlich zu sein. Es ist so, als würde ich gar nicht im Raum sein.“

 

In vielen Geistes- und Gemütsrubriken des Repertoriums geht es darum, den Sinn hinter den Worten zu erfassen. Darum geht es auch im Gespräch; wir müssen uns fragen, welches Grundgefühl die Aussagen unserer Patienten in sich tragen. Was machen wir beispielsweise mit der Aussage: „Ich habe gesehen, wie ein Mädchen im Laden etwas gestohlen hat. Und ich habe nichts gesagt. Ich habe überlegt, ob ich zu der Kassiererin gehe. Dann war das Mädchen weg. Und seither fühle ich mich so schuldig, als hätte ich selbst etwas gestohlen. Wenn ich die Polizei auf der Straße sehe, wird mir mulmig.“ – Hier wird die „Wahnidee, hat ein Verbrechen begangen“ geäußert. Eine Abschwächung dieser Rubrik ist die „Wahnidee, hat Unrecht begangen“, eine Verstärkung dieser Rubrik ist die „Wahnidee, ist ein Verbrecher“. Im ersteren Fall handelt es sich um eine unrechte Tat, aber noch nicht um ein Verbrechen. Im zweiten Fall handelt es sich nicht mehr nur um ein Verbrechen, sondern darum, ein Verbrecher zu sein. Opium fühlt die ultimative Steigerung dieser Wahnidee: „Wahnidee, er sei ein Verbrecher, der hingerichtet werden soll“. Aus der Praxis: Eine Patientin, die sich in einem Haus aufgehalten hatte, das kurze Zeit später abbrannte, wartete nachts am Fenster auf das Eintreffen der Polizei, weil sie glaubte, den Brand durch einen ihr nicht bewussten Fehler verursacht zu haben.

 

Die Wahnideen liefern immer einen tiefen Einblick in das Drama, die Wunde. Und damit zählen die Wahnideen zu den wichtigsten Handwerkszeugen im Repertorium.

 


Homöopathische Psychoanalyse

Die Professoren für Klinische Psychologie und Psychotherapie Eva Jaeggi sowie Volker Riegels beschäftigen sich in ihrem Werk „Techniken und Theorie der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie“ unter anderem mit dem sogenannten „impliziten“ und „expliziten“ Gedächtnis. So speichern wir Menschen unsere Erinnerungen an verschiedenen Orten des Gehirns ab.

Während wir unsere bewussten Erinnerungen an die Vergangenheit im expliziten Gedächtnis abspeichern, werden die unbewussten – insbesondere also die frühkindlichen – Erinnerungen im impliziten Gedächtnis gespeichert. Zitat: „Man spricht in diesem Zusammenhang vom emotionalen Unterbewussten. Die innere Welt des Säuglings und des frühen Kleinkindes vermittelt sich uns nur über geweckte Gefühle in bestimmten Situationen. Sie können nicht erinnert werden, weil sie inhaltsfrei sind, aber aktiviert werden durch Reizkonstellationen oder –fragmente aus der früheren (traumatischen) Situation.“

 

Diese Tatsache, so die Professoren weiter, hätte dramatische Auswirkungen auf die Kernthese der Psychoanalyse, dass nämlich „das Erinnern von Kindheitserfahrungen kurativen Charakter habe.“ Und weiter: „… Veränderung wird aber „in Wirklichkeit durch ein verbessertes Verständnis pathologischer Beziehungsmodi erreicht, was wiederum besser integrierte Objektbeziehungsrepräsentationen ermöglicht.““ (Die Professoren zitieren aus: Fonagy et al., Gedächtnis und therapeutische Wirkung, Psyche 57, S. 841-856)

 

Eine erfolgreiche Psychotherapie frühkindlicher psychischer Belastungen basiert also nicht etwa auf der Erinnerung und der Wiedergabe der Erinnerung, sondern darauf, – Zitat: „… die aktuelle innere Befindlichkeit des Patienten zu erfassen, wie sie sich im „Hier und Jetzt“ des interpersonalen Geschehens entwickelt. Gerade bei dieser Aufgabe scheint uns aber die Nutzung nichtsprachlicher Medien wie die Arbeit mit Symbolen hilfreich, die das Erleben besser aufnehmen und spiegeln können als es auf der Ebene von Nur-Verbalisierung möglich wäre. … Deutungen sind deshalb häufig kontraindiziert, weil sie nur den erwachsenen, intellektuellen Teil der Persönlichkeit ansprechen. Der Teil der Persönlichkeit, der zum „Sich-Verstanden-Fühlen“ seitens des Patienten führt, teilt sich nur über unser Gegenübertragungserleben mit, über den Druck, den der Patient auf uns ausübt. Therapeuten müssen lernen, was ihre Patienten eigentlich meinen, was sie in der Beziehung vom Ausdruck bringen wollen, wenn sie diese oder jene Formulierungen, diese oder jene Bilder benutzen.“

 

Das reine Gespräch, das im Wesentlichen auf der bewussten Erinnerung des Patienten fußt und das therapeutenseitig wohlmöglich auch noch aus größtmöglicher innerer Distanz geführt wird – also analytisch motiviert ist -, führt nicht zur Heilung des Patienten. Eine Heilungsreaktion im psychotherapeutischen Setting wird hingegen über den Zugang zum impliziten Gedächtnis ausgelöst, das die traumatischen Gefühle speichert. Und diesen Zugang erhalten wir Therapeuten über die Umgehung des „Alltagsbewusstseins“, also beispielsweise durch Symbolarbeit, durch die Arbeit mit dem Körper (Körpererinnerungen, Körperbewusstsein) sowie durch Gefühle.

 

Hilfreich ist es daher, den Patienten in der Bewusstwerdung der unterdrückten Emotionen zu unterstützen. "Wenn ich mir Ihre Geschichte anhöre, werde ich wütend. Wie ging es denn Ihnen in der Situation? Wie sind Sie damit umgegangen?" Oder allgemeiner: "Wann waren Sie denn das letzte Mal wütend? Wie haben Sie Ihre Wut gezeigt? Wie haben Sie Ihre Wut gespürt? Wo im Körper sitzt die Wut?"

Jede gut geführte homöopathische Anamnese hat den Erkenntnisgewinn des Patienten als "Bonus". Viele Patienten berichten, dass sie noch nie so viel über sich erfahren hätten wie in der (fortlaufenden) homöopathischen Anamnese.


Ruta und Burnout

Ruta graveolens, die Weinraute, bevorzugt karge, kalkhaltige Böden. Sie zählte bereits im Mittelalter zu den Wunderheilern unter den Pflanzen: Hildegard von Bingen empfahl sie bei Sehschwäche und Depressionen, Pfarrer Kneipp bei Verdauungsstörungen, Paracelsus verwendete sie bei Kopfschmerzen und bei Gelenkschmerzen. Als homöopathische Arznei ist Ruta vor allem für ihre hervorragende Wirkkraft bei den Folgen von Knochenverletzungen, Zerrungen und Quetschungen bekannt und daher eine Arznei, die in jeder Hausapotheke zu finden ist. Dennoch kann Ruta, wie die alten Heiler wussten, sehr viel mehr; ich setze Ruta oft für die Folgen von Leistungserschöpfung ein, denn Ruta arbeitet gern und viel, ohne ein Bewusstsein für die enorme eigene Arbeitsleistung zu entwickeln. In den "Fachtexten" gibt es nun ein Skript zu dieser Pflanze.


Impfstudie des "Robert-Koch-Instituts"

In meiner Praxis beobachte ich oftmals den Zusammenhang zwischen Impfungen im Babyalter und dem Auftreten einer Hautreaktion, die nicht an der Einstichstelle liegt, 1 - 4 Wochen nach der Impfung. Da ich die Reaktion immer homöopathisch behandele, kann ich nicht sagen, ob die Reaktion auch ohne homöopathische Therapie vergeht und/oder sich verschlechtert, wenn nichts unternommen würde.
Da das Immunsystem von Babys nicht ausgereift ist und die sogenannten "atopischen Erkrankungen" (Neurodermitis, allergisches Asthma, Schuppenflechte, Heuschnupfen, allergische Darmentzündung) eine Immunkomponente haben, gehe ich von einem Zusammenhang zwischen der gängigen Impfpraxis und dem häufigen Vorkommen der atopischen Erkrankungen aus.
Nun hat sich das Robert-Koch-Institut in einer Studie u.a. mit diesem Zusammenhang beschäftigt. (Kleine Bemerkung am Rande: Die Studie wurde von Herstellern von Impfstoffen mitfinanziert.) Ergebnisse u.a.:

- Ungeimpfte Kinder in der Gruppe der Ein- bis Fünfjährigen hatten jährlich durchschnittlich 3,3 Infekte, geimpfte Kinder 4,2.
- Ebenfalls Ein- bis Fünfjährige: Anteil der Kinder mit mindestens einer atopischen Erkrankung 12,6 %, geimpfte Kinder 15 %
- Asthma: Kinder unter 10 Jahren, ungeimpft: 0%, Kinder 11 - 17 Jahre: zwei Kinder / in Summe: 2,1%. - Geimpfte Kinder: 4,6 %

Nun mag man vielleicht meinen, dass diese Unterschiede nicht so hoch seien - ABER: Als "geimpft" wurden auch die Kinder eingestuft, die nur eine einmalige Impfung im Schulkindalter hatten. Schade, dass die Studie nicht die zusätzliche Einteilung in die Kinder aufgenommen hat, die gemäß den Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) geimpft wurden ...

Link hierzu aus dem "Ärzteblatt": Ergebnisse Impfstudie


Opium

In der fragilen Schönheit der Mohnblüte erkennen wir gleichsam auch die Signatur der Pflanze: Die hohe Sensibilität auf jegliche Form der Berührung.
Opium, das homöopathische Mittel, das aus dem getrockneten Milchsaft gewonnen wird, zeigt die Empfindsamkeit auf zwei besonders einprägsame Weisen: Wir finden entweder eine auffällige Gelassenheit in Bezug auf physische und psychische Ausnahmezustände, oder wir finden eine extrem niedrige Schmerztoleranzgrenze.
Den Zustand der schmerzfreien Glückseligkeit erleben wir in der Praxis naturgegeben seltener als den Zustand des als extrem empfundenen Schmerzes ... eine Patientin, die nach einer Zahn-Operation mit geschwollenem Gesicht, aber glücklich und schmerzfrei in die Praxis kam, wollte mit der Einnahme lieber auf die Schmerzen warten ...


Fieber

Fieber: Wer lange keines hatte, wähnt sich zu Unrecht als besonders gesund. Denn Fieber ist eine zentrale Immunantwort unseres Körpers auf pathogene Keime in unserem Körper. Bleibt also die physiologische Reaktion unseres angeborenen Immunsystems aus, ist das ein Zeichen für eine Immunschwäche.
Uwe Hobohm, Professor für Bioinformatik an der FH Gießen, hat nach einer wissenschaftlichen Erklärung für die immer wieder vorkommenden Spontanremissionen bei Krebserkrankungen gesucht. Er analysierte hierfür die entsprechende medizinische Literatur der Jahre 1918 – 2004 – und entwickelte hieraus zwei interessante Thesen:
1.    Menschen mit einer Vorgeschichte mit vielen fieberhaften Infekten erkranken signifikant seltener an Krebs.
2.    Spontanheilungen bei Krebskranken stehen häufig in Zusammenhang mit einem schweren, fieberhaften Infekt.
Uwe Hobohm nimmt an, dass eine Erklärung in der Hitzeempfindlichkeit von Tumorzellen liegen könnte. Weiterhin wird durch die Erhöhung der Körpertemperatur die Ausschüttung von Antigenen angeregt, die Tumorzellen erkennen und vernichten können.
Ein Grund für das dauerhafte Fehlen von Fieber bei Erwachsenen liegt oftmals an Dauerstress: Ein permanent hoher Stresslevel führt zu einer dauerhaften Ausschüttung von Cortisol, eines Stresshormons, das – ebenso wie das künstliche Cortison – Entzündungen unterdrückt. Menschen, die dauerhaften Stress empfinden, leben also oft  in einer dauerhaften Unterdrückung ihres Immunsystems. 
Insofern sollte jedes moderate Fieber von ansonsten gesunden Menschen seinen guten Dienst leisten dürfen, ohne durch fiebersenkende Arzneien – und hierzu zählen selbstverständlich auch homöopathische Arzneien! – willkürlich unterbrochen zu werden. Gestressten Eltern, die die schlechte Laune oder gesteigerte Anhänglichkeit ihrer fiebernden Kinder nicht länger ertragen wollen, verschreibe ich bei den Fiebererkrankungen ihrer Kinder aber immer gern eine Arznei, die sie wieder gelassen stimmt, um auch die dritte Nacht mit häufigem unfreiwilligen Besuch im Kinderzimmer ohne fiebersenkende Mittel zu überstehen.


"The King's speech" und Gelsemium

Gestern sah ich den wunderbaren Film „The King’s speech“, der die persönliche Entwicklung eines Menschen durch die Unterstützung einer unkonventionellen Therapiemethode portraitiert – und gleichzeitig portraitiert er bestimmte Aspekte des Arzneimittels „Gelsemium“.

Eine der wichtigsten Rubriken von Gelsemium ist: Muskeln gehorchen dem Willen nicht, sobald er die Aufmerksamkeit abwendet.
Ich übersetze: Man versucht kraft seines Willens, sich zu einer bestimmten Handlung zu zwingen. Einige Beispiele aus der Praxis:

-    Bei starker Migräne versucht man, die Augen offen zu halten, doch die Augenlider fallen immer wieder herab;
-    Nach einem Unfall, der immer noch starke Schmerzen verursacht, möchte man den Haushalt trotzdem ohne Hilfe bewältigen, und zwingt sich zu jeder kleinen Verrichtung.

Im Film: Man kann die Anstrengung, die der Gebrauch der Stimmbänder und der Hals- und Kiefermuskulatur erfordert, förmlich fühlen: Mühselig zwingt der spätere König die Wörter durch den Hals.

Auch sehen wir hier ein Paradebeispiel an Mut: Anstatt sich zu weigern, immer wieder in der Öffentlichkeit zu sprechen, stellt sich der gehandicappte ungekrönte König der Herausforderung. Wir sehen das Gefühl der Hilflosigkeit, die immer wiederkehrende Entmutigung, die Frustration über die eigene Unfähigkeit, die Aufgabe zu bewältigen – und die beharrlichen Versuche, das Handicap zu überwinden. All dies geschieht mit großer Würde.


Zen ohne Zenmeister

Aus dem Buch "Zen ohne Zenmeister" von Camden Benares:
Ein Künstler steckte in einer Krise und war nahezu unfähig, weitere Bilder zu malen. In seiner Not wandte er sich an Sam, einen Therapeuten, der auf der Grundlage des Zen arbeitet. Bei der Besprechung der künftigen Therapie meinte der Künstler zur Frage des Honorars, dass er nicht viel ausgeben könne, da sein Einkommen durch die durchlebte Krise rapide gesunken sei.
Das sei kein Problem, erklärte Sam, er verlange für seine Arbeit lediglich zwei Bilder. Das eine solle den Titel "Verzweiflung" tragen und vor Beginn der Therapie gemalt werden. Das andere sollte nach beendeter Therapie entstehen, wobei er die Wahl des Motivs dem Künstler überlasse.
Als dieser das erste Bild gemalt hatte, präsentierte er es Sam, welcher es nach kurzem Betrachten ins brennende Kaminfeuer warf. Ohne ein Wort zu sagen, ging der Künstler. 
Einige Tage darauf erschien er wieder bei Sam - mit dem zweiten Bild.


Arnica

Eine der gebräuchlichsten homöopathischen Arzneien ist Arnica – viele Eltern haben diese Arznei immer griffbereit zur Stelle, wenn ihr Kind mal wieder kopfüber vom Fahrrad absteigt, beim Fußballspielen gegen das Tor rennt oder die Treppe mit einem Laufband verwechselt. Arnica ist auch eine der besten Arzneien für Muskelkater – und hier finden wir ein hervorragendes Leitsymptom: Angst vor Berührung. 

Wer schon einmal einen manifesten Muskelkater hatte, kennt diese Angst: die Muskulatur ist äußerst berührungsempfindlich. Nähert sich die Hand des Freundes zum Begrüßungsschlag den Schultern (denen man am Tag zuvor mit 20 kg-Gewichten zu Leibe gerückt ist), zuckt man zurück – bloß keine Berührung! 

In der Homöopathie übertragen wir dieses Symptom auch auf den mentalen Status. Wir finden folgende weitere Symptome:
- Sagt, er sei gesund, wenn er krank ist
- Eigensinnig, starrköpfig – erklärt, ihm fehle nichts
- Illusion, er sei gesund
- Schickt den Arzt nach Hause und behauptet, ihm fehle nichts
Arnica ist also nicht nur eine hervorragende Arznei für die Folgen von körperlichen Verletzungen, sondern auch für die Folgen von psychischen Verletzungen – und zwar immer dann, wenn man Hilfe aus tiefstem Herzen ablehnt und vehement behauptet, im Grunde genommen gesund zu sein.


Ein Sulfur-Kind räumt auf

Ein Sulfur-Kind räumt auf: 
Die Autos werden nach Größe und Farbe sortiert ins Regal gestellt, mitten hinein in die dicke Kruste aus Staub und Limonade. Die Socken, zu dessen Wechsel die Mutter ihn nach tagelangem Tragen mehr oder weniger gezwungen hat, werden eingesammelt: einige liegen im Bett, andere unterm Bett, ein roter Socke hängt über dem Stuhl, der zweite rote Socken dient als Keilriemen-Ersatz im Lego-Technik-Bausatz. Das Bett, das - oh Wunder, lange nicht gesehen! - ein hellblaues Laken hat, wird geräumt: Zwei Schlafsäcke, drei Decken, Bücher, der Füller, der seit zwei Wochen fehlt, eine Banane, Bonbonpapier mit Bonbon, schon halb aufgelutscht, schmeckt aber trotzdem noch, und dann: die Fernbedienung für den Selbstbau-Roboter. 

Den hat er nicht fertigbauen können, der muss irgendwo herumliegen ... Schublade auf, Papier raus, oh, da ist die schöne Murmel, und der Dino, erstmal auf dem Bett ablegen ... aber wo ist der andere Dino? Im Kleiderschrank! Damit die Schwester ihn nicht findet! Kleiderschrank ausräumen ... da ist er. Rauf aufs Bett, denn dann kann er gleich Dino-Krieg spielen, mit den Schleich-Drachen ... die doch auch irgendwo sein müssen ... Bettkasten raus. Da ist der Roboter! Cool! Fernbedienung und Robotergerüst werden verdrahtet. Es läuft. Nun kann er Roboter-Dino-Krieg spielen. Die Murmeln sind Wurfgeschosse ... und die Wurfarme? Die liegen in der Legokiste, die im Keller ist. Runter in den Keller, Kiste holen, Kiste auskippen, Wurfarme suchen und alles, was er nicht braucht, zur Seite schieben. 

Zwei Stunden später kommt die Mutter ins Zimmer, um die Fortschritte beim Aufräumen zu begutachten. Sie kann die Tür nicht öffnen und wirft sich dagegen. Ihr Kind sitzt völlig erhitzt und glücklich auf den Schlafsäcken im Bett und schießt mit Murmeln auf eine Armee aus Schleichtieren. 
Der Fußboden ist nicht mehr sichtbar.
"Du solltest doch aufräumen!" ruft sie entsetzt.
Ihr Kind schaut sie empört an. "Hab ich doch!"


Sogyal Rinpoche: Autobiographie in 5 Kapiteln

1.
Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren... Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange herauszukommen.

3.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein... aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

4.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5.
Ich gehe eine andere Straße.

Sogyal Rinpoche

Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben


Unsozial

Aus der Praxis: Eine 11jährige Patientin, die mit Mobbing in der Schule zu kämpfen hat, weil sie als 'Streberin' verschrien ist, berichtet finster über ihre (jetzt ehemalige) Freundin:
"Sie hat hinter meinem Rücken über mich gelästert."
"Was hat sie gesagt?"
Sehr empört: "Sie hat gesagt, ich sei unsozial. Stellen Sie sich das vor. UNsozial."
"Du meinst, du bist sozial?" 
"Nein, das nicht. Sie hat den falschen Pejorativ verwendet. Es heißt nicht "UNsozial", sondern "Asozial"."


Die "Homöopathen ohne Grenzen e.V." in Sierra Leone

Der gemeinnützige Verein "Homöopathen ohne Grenzen e.V." ist seit einem Jahr auch in Sierra Leone tätig. Nach einem elf Jahre andauernden, blutigen und äußerst grausamen Bürgerkrieg benötigt dieses Land an der afrikanischen Westküste Hilfe zur Selbsthilfe. 
Der Verein wird 25 Krankenschwestern in klassischer Homöopathie ausbilden. Die Ausbildung erfolgt direkt vor Ort und umfasst ca. 360 Unterrichtsstunden. Da die medizinische Versorgung weitestgehend zusammengebrochen ist, ist die Ausbildung von Krankenschwestern, die in die Dörfer gehen, eine wichtige Basis für den Wiederaufbau der medizinischen Versorgung. 
Spenden sind immer herzlich willkommen! 
Links zum Projekt:
Verein Sierra Leone Baden-Württemberg
Homöopathen ohne Grenzen e.V., Projekt Sierra Leone
Reisebericht der "Homöopathen ohne Grenzen e.V." zur ersten Reise nach Sierra Leone